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Dr. Christoph Luz

Managing Director DACH & NL
Montag, 11. Oktober 2021

Resilienz im Gesundheitswesen: Fünf Faktoren für sichere und widerstandsfähigere Lieferketten

Die Corona-Pandemie hat das Thema Resilienz im Gesundheitswesen auf die Agenda gebracht. Widerstandsfähige und damit sichere Lieferketten können nicht nur die Wertschöpfungskette von Krankenhäusern sichern, sondern auch Patientenleben retten. Aber welche Strategien sollten Kliniken verfolgen, um eine krisenfeste Supply Chain zu gestalten?

Ich bin beileibe kein Freund von Phrasen oder Schlagwörtern, aber mit der Corona-Pandemie hat es ein Wort in mein Vokabular geschafft, das ich immer öfters gebrauche: Resilienz. Ursprünglich kommt dieser Begriff aus der Soziologie und beschreibt den Prozess, wie Menschen ihr Verhalten ändern, um neue Herausforderungen zu meistern. Mittlerweile beanspruchen auch viele Unternehmen den Begriff für sich und schmücken sich damit, resilient zu sein, also Widerständen zu trotzen und gestärkt aus Krisen hervorzugehen. Aber was hat das mit dem Gesundheitswesen zu tun?

Ich habe schon vor zwei Wochen erklärt, welche Lehren sowohl die Krankenhäuser als auch die Hersteller aus der Corona-Krise ziehen können, heute möchte ich den Fokus aber ausschließlich auf die Lieferketten legen. Denn eine resiliente Supply Chain ist meiner Meinung nach die Grundlage für ein widerstandsfähigeres Gesundheitswesen, das nicht nur auf künftige Pandemien besser vorbereitet wird, sondern auch gegen andere Krisen gewappnet ist. Volatile Märkte sowie regulatorische Vorgaben, die sich häufig ändern, können etablierte Lieferketten nämlich genauso in Schieflage bringen wie ein Virus, das Angebot und Nachfrage plötzlich auseinanderdriften lässt – und damit die Patientenversorgung gefährdet.

Nun aber zurück zu der Frage, die sich strategische Einkäufer und Entscheider in Kliniken dieser Tage stellen: Welche Strategien sollten Krankenhäuser verfolgen, um ihre Lieferketten widerstandsfähiger zu gestalten?

Eine resiliente Supply Chain basiert grundsätzlich auf fünf Säulen:

 

1. Agilität: Flexible Verträge und Frühwarnsysteme

Eine der größten Herausforderungen im Supply Chain Management ist eine schnelle und angemessene Reaktionsfähigkeit auf veränderte Rahmenbedingungen. Während Verantwortliche lange Zeit nur Rabattverträge mit möglichst niedrigen Preisen ausgehandelt haben, dafür im Gegenzug aber große Anteile bestimmter Produktklassen abnehmen mussten, findet nun ein Umdenken statt. Weg von starren Verträgen mit Strafklauseln bei Anbieterwechseln, hin zu flexiblen Verträgen und Lieferanten mit Frühwarnsystemen, die Einkäufer bei möglichen Engpässen über digitale Tools präventiv informieren.

 

2. Dezentralität: Multi-Sourcing-Strategien und globale Standorte

Die Handlungsfähigkeit von Krankenhäusern in Krisenzeiten kann von der Anzahl der Lieferanten bestimmt sein. Grundsätzlich gilt: Je größer das Netzwerk, desto besser ist auch die Reaktion auf Nachfrageänderungen. Noch widerstandsfähiger wird die Lieferkette, wenn die Hersteller in verschiedenen Märkten produzieren und eine bessere Datenbasis zur Optimierung von Just-in-Time-Lagerhaltungspraktiken nutzen.

 

3. Redundanz: Bestands- und Verbrauchsdaten

Werden Strukturen, Tools und aus Daten abgeleitete Informationen mehrfach von verschiedenen Abteilungen oder mehreren Krankenhäusern einer Gruppe genutzt, führt diese Redundanz zu einheitlichen Prozessen. Die Corona-Krise hat leidvoll gezeigt, dass viele deutsche Kliniken nur einen begrenzten Einblick in ihre Bestands- und Verbrauchsdaten haben – von Echtzeit-Daten ganz zu schweigen. Das muss sich ändern: Im Rahmen von Vertragsverhandlungen sind Daten zur Bedarfsermittlung künftig wertvoller als günstige Produktpreise und Abnahmeverpflichtungen.

 

4. Lernprozesse: Protokolle und Kontrollmechanismen

Die Erfahrungen aus vorangegangenen Krisen sind lehrreich und sollten sich logischerweise auch in der Supply Chain widerspiegeln. Grundvoraussetzung dafür sind Daten, die digitale Lösungen für die Beschaffung und Bestandsverwaltung gewinnen können. Bestes Beispiel: Die Erkenntnisse, die Krankenhäuser über den sicheren und nachhaltigen Einsatz von Persönlicher Schutzausrüstung (PSA) und anderen kritischen Ressourcen gewonnen haben, werden nun zur Erstellung von Protokollen und Kontrollmechanismen verwendet. Die Informationen, wann PSA-Artikel gebraucht, wiederaufbereitet oder dekontaminiert werden, gewährleisten im stationären Regelbetrieb eine optimale Ressourcennutzung und helfen dabei, Kontingenzpläne für Reserven in Krisenzeiten vorzubereiten.  

 

5. Diversität: Interne und externe Interessenvertreter

Ein gutes Krisenmanagement ist auch eine Frage der Vorausplanung. Entscheidungsträger aus dem klinischen, kaufmännischen und operativen Bereich im Krankenhaus sollten bei dieser Planung genauso eine Rolle spielen wie externe Interessenvertreter aus Gesundheitsbehörden, Landes- und Bundesregierung oder kritischen Versorgungsunternehmen. Interdisziplinäre Teams mit verschiedenen Kompetenzen und Blickwinkel können bei der Ausarbeitung von Planübungen helfen. Das Ergebnis: ein effizientes Krisenmanagement mit schnellen Entscheidungsfindungen, klaren Rollen und Verantwortlichkeiten sowie der schnellen Umsetzung festgelegter Notfallpläne.  

 

Hersteller, Lieferanten und Krankenhäuser müssen gemeinsam arbeiten

Diese fünf Vorbereitungsstrategien zeigen eindrucksvoll, dass Krankenhäuser die Herausforderungen von unvorhergesehenen Marktbewegungen kaum allein meistern können. Der Aufbau von starken und dauerhaften Beziehungen zwischen Kliniken und Herstellern sowie Lieferanten ist für alle Parteien im Gesundheitswesen essenziell, wenn nicht sogar überlebenswichtig, um auch kommende Krisen zu überstehen.

Es ist kaum überraschend, dass hierfür auch neue Geschäftsmodelle entwickelt werden müssen, denn die manuellen Prozesse haben längst ausgedient. Beide Seiten brauchen Tools oder im Idealfall eine digitale Plattform, um die neuen Anforderungen erfüllen zu können. Nur so können Daten, die künftig die Grundlage für Entscheidungen darstellen werden, gesammelt und genutzt werden, um die Prozesse zu schärfen und damit auch langfristig die Versorgung sicherzustellen.

 

Das GHX Netzwerk – Grundstein für eine resiliente Supply Chain im Gesundheitswesen

Wir bei GHX haben es durch unsere jahrelange Erfahrung im Gesundheitswesen geschafft, ein Supply-Chain-Netzwerk aufzubauen, das auf den fünf Säulen einer widerstandsfähigen Lieferkette basiert. Tausende von Krankenhäusern, Einkaufsgemeinschaften, Herstellern und Großhändlern vertrauen seit mehr als 20 Jahren unseren Lösungen, um ihre Geschäfte schnell, präzise und sicher abwickeln zu können – nicht nur in Europa, sondern mittlerweile in 23 Ländern der Welt.

Wir bieten die größte integrierte und skalierbare E-Commerce-Plattform für das Gesundheitswesen zur Verwaltung der Lieferkette sowie eine Reihe von intelligenten Tools, damit selbst einige der kompliziertesten Transaktionen auch in Krisenzeiten elektronisch verarbeitet werden können. Ergänzt werden unsere Lösungen durch ein Team an Beratern, das Ihnen bei der Optimierung Ihrer maßgeschneiderten Supply Chain zur Seite steht. Für eine widerstandsfähigere Lieferkette. Für eine bessere Versorgung. Und für die Gesundheit Ihrer Patienten.

 

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